Naturschatz Blankenheim: Die Lambachpumpe im Haubachtal

Auf dieser kleinen, feinen Schatz-Tour begegnen sich historische Technik und moderner Naturschutz. Und ausnahmsweise ist es einmal die Technik, die den ersten Akzent setzt: eine Pumpstation zur Wasserversorgung kann erkundet werden. Klingt wenig spektakulär, ist es aber. Danach übernimmt die Natur wieder die Führung. In der breiten Talmulde des Haubachtals finden sich Feuchtwiesen, die zu den schönsten der Eifel zählen. Orchideen, Schmetterlinge und das leise Murmeln des Baches sorgen für Glücksgefühle.

Im Haubachtal lädt eine nette Holzsitzgruppe Spaziergänger aus dem nahen Blankenheim und emsige Eifelsteig-Wanderer zur Pause. Den Rucksack einmal absetzen, den Blick ins offene Tal genießen, die verdiente Brotzeit auspacken. Kaum jemand, der sich in diesem Moment der technischen Meisterleistung bewusst ist, auf der er gerade Platz nimmt. Denn die Sitzgarnitur steht auf dem Dach eines Pumpenhauses. In seinem Inneren: eine Lambach-Pumpe. Ein Fabrikatsname, der vermutlich nur Ingenieuren etwas sagt, sie aber sofort elektrisiert. Lambach-Pumpen wurden seit dem 19. Jahrhundert zur Wasserversorgung vor allem im ländlichen Raum eingesetzt. Ganz verkürzt lautet ihr Prinzip, dass mit statischem Wasserdruck Bewegungsenergie erzeugt wird. Wieviel Wasser benötigt wurde, um den Triebkolben zu bewegen und die gewünschte Förderhöhe des Trinkwassers zu erreichen, musste für jeden Standort genau berechnet werden.

Jede Lampachpumpe wurde so zum Unikat. Das gilt auch für die 1920 in Blankenheimerdorf aufgestellte Pumpe des Typs D500. Zum Schutz vor Frost wurde sie neun Jahre später noch eingehaust. Die Pumpstation im Tal wurde über eine mehr als 1.000 Meter lange Stahlrohrleitung mit „Triebwasser“ versorgt, gesammelt auf dem höher gelegenen „Hupperesberg“. Das saubere Trinkwasser wiederum wurde über eine zweite Versorgungsleitung 65 Meter hoch in den Behälter „Auf der Krues“ gedrückt und von dort in das Leitungsnetz des Ortes. Rund fünfzehn Jahre blieb die robuste, wenig reparaturanfällige Pumpe im Einsatz. Danach wurde sie auf die „Reservebank“ gesetzt. Zum Einsatz kam sie nur noch, wenn den elektrischen Pumpen der Strom ausfiel. Die ausgefeilte, seltene Konstruktion der Lambach-Pumpen führte dazu, dass die Pumpe im Haubachtal seit 2001 als technikgeschichtliches Denkmal anerkannt ist.

Eine bestens „verwaltete“ Natur

Nach der informativen Pause ist es Zeit, das Haubachtal näher zu erkunden. Eifelsteig, Tiergartentunnelweg und viele kleine Pfade sind das Entree. Begleitet werden Sie fast überall vom leisen Plätschern des renaturierten Haubachs, der nicht weit von der Pumpenstation in die Urft mündet. Seine Stillgewässer und Feuchtwiesen sind ein schützenswerter, weil selten gewordener Lebensraum. Hier tummeln sich Schmetterlinge in großer Zahl, angezogen vom üppigen Blüten- und Nektarangebot. Seltene Orchideen wie das lilafarbene Breitblättrige oder das Gefleckte Knabenkraut, Herbstzeitlosen, Arnika oder Waldhyazinthen begeistern botanische Liebhaber. Mit Raritäten weiß auch die Vogelwelt aufzuwarten. Wiesenpieper nutzen die Talmulde zum Brüten, der Neuntöter bevorzugt für seinen Nachwuchs die Sträucher und Hecken der sanft ansteigenden Hänge. Dass dieses Natura-2000 Gebiet auch in Zukunft so artenreich bleibt, garantiert der NRW-Vertragsnaturschutz. Klingt nach Bürokratie, ist aber handfeste Arbeit für einen modernen Umweltschutz.

Tour-Informationen

Start N 50° 27′ 7.216”
O 6° 37′ 10.898”
Aufstieg 8 m
Abstieg 8 m
Länge der Tour  1,2 km
Dauer 0:20 Stunden
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Besonderheiten im Haubachtal

Die Herbstzeitlose alias die „nackte Jungfer“

Dann blühen, wenn andere schon verwelken. Kein schlechtes Prinzip, dem die Herbstzeitlose folgt. Und so leuchten ihre krokusähnlichen Blüten an nackten, blattlosen Stängeln zwischen September und November weitgehend ohne Konkurrenz auf den Wiesen. Unterschätzen sollte man die späte Schönheit nicht. Alle Pflanzenbestandteile, einschließlich Knolle und Samen, enthalten das hochgiftige Colchicin. Für Nutztiere ist die Pflanze deshalb keine gute Weggefährtin, besonders Pferde reagieren empfindlich. Dem Menschen zeigt die Herbstzeitlose zwei Seiten: eine giftige, eine heilende. So arbeitet die Medizin in geringen Dosierungen mit der Colchicum autumnale als Gichtmedikament. Die Zwiebelblume verbreitet sich unterirdisch durch Seitensprossen aus der Knolle. So entstehen oft leuchtend lila-rosa Teppiche. So schön, so gefährlich.

Vertragsnaturschutz – eine Strategie zum Wohl der Natur

Vertragsnaturschutz: Hinter diesem Begriff verbirgt sich kein Papiertiger. Seit mehr als 30 Jahren sichert der Vertragsnaturschutz in NRW die biologische Vielfalt auf ganz unterschiedlichen Flächen. Ganz praktisch sind es überwiegend Landwirte, die ihren Grundbesitz freiwillig nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten bearbeiten. Zum Beispiel, indem sie auf intensive Düngung oder frühes Mähen der Wiesen verzichten. Für ihre Arbeit und als Ausgleich für eventuelle wirtschaftliche Nachteile, erhalten die Grundbesitzer Geld. NRW-weit werden zurzeit etwa 28.000 Hektar Fläche extensiv bewirtschaftet. In Blankenheim hat sich diese Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz bestens eingespielt. Für jeden zu sehen im herrlichen Haubachtal.

Ein gefährlich schöner Jäger namens Neuntöter

Sein Name klingt nicht gerade sympathisch. Und aus Sicht seiner Opfer, meist Insekten, ist der Neuntöter auch kein netter Zeitgenosse. Um seine Nahrung zu sichern, spießt der rund 16 cm große Vogel aus der Familie der Würger seine Beute gerne auf Dornen. Ab und an wagt er sich – ausgestattet mit einem greifvogelähnlichen Schnabel – sogar an Eidechsen, Feldmäuse oder Jungvögel heran. Ab August dürfen die Gejagten wieder aufatmen. Sehr früh begibt sich der Neuntöter auf die jährliche Reise ins tropische Afrika. Der hübsche Zugvogel mit dem charakteristischen Augenstreifen überwintert ausgiebig. Erst Mitte April ist sein leises Schwätzen wieder zu hören. Immer öfter auch im Haubachtal. Eine Folge der extensiv genutzten und reich strukturierten Landschaft im NSG Haubachtal.