Kombitour #1 Roetgen | Hürtgenwald | Simmerath

Kombitour #1
Roetgen | Hürtgenwald | Simmerath

Das Vichtbachtal bei Roetgen, das Kalltal in Simmerath-Bickerath und der Hürtgenwalder Todtenbruch – drei Kommunale Naturschätze, die sich per Radtour bestens verbinden lassen. Stetiger Begleiter auf dieser wald- und blickreichen Route ist die Historie des Zweiten Weltkriegs. Militärische Zeugnisse wie der Westwall und eine Bunkerruine mahnen zum Frieden. Und die Natur demonstriert, dass sie sich selbst von Beton nicht nachhaltig beeindrucken lässt.

Eine sportlich ambitionierte Runde durch den Hürtgenwald

Das Wichtigste zuerst: Die Kombi-Tour fordert ein wenig körperliche Fitness. Mit 41,5 Kilometer Länge und rund 1000 Höhenmetern beweist die Strecke nämlich durchaus sportlichen Charakter und eignet sich aufgrund der Bodenbeläge vor allem für robuste E- oder MTB-Bikes. Für die Jagd nach Bestzeiten ist die Tour allerdings zu schade. Lieber einmal einen Gang zurückschalten, damit die kleinen Besonderheiten entlang der Strecke nicht unbemerkt vorbeifliegen. Unterwegs verlorene Kalorien können in der Gastronomie von Lammersdorf und Roetgen auf leckere Weise ersetzt werden.

Bewegung trifft Geschichte:
Eine Natur- und Zeitreise durch den Hürtgenwald

Auf dieser rund dreistündigen Tour lässt sich Geschichte unmittelbar vom Fahrradsattel aus erleben. Es sind die Relikte des Westwalls, eine Bunkerruine sowie eine Aussiedlersiedlung, die Ihnen die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs in der Eifel vergegenwärtigen. Und so rollt’s: Der Startpunkt der Tour liegt am Wasserwerk der Dreilägerbachtalsperre bei Roetgen. Auf der B258 biegt man nach links zum Wanderparkplatz ab. Dort rechts auf der anderen Straßenseite aufsteigend auf das Niveau des Staudamms. Mächtige 38 Meter hoch und 240 Meter lang ist die Staumauer. Hinter ihr verbirgt sich eine Talsperre mit 4,25 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Kostbares Nass, eingebettet in die Stille des Hürtgenwalds. Auf teilweise schottrigen Wegen geht es rund sechs Kilometer östlich durch naturnahe Laub- und Fichtenwälder. An zwei Stellen quert der Hasselbachgraben. Er wurde 1920 angelegt, um das Wassereinzugsgebiet der Dreilägerbachtalsperre zu vergrößern. Nach dem waldreichen und stets leicht bergauf führenden Tourauftakt reizt der Eifel-Blick am Jägerhaus zu einer
Genusspause. Vom höchsten Punkt des Kreises Düren bietet sich ein Panorama, das von der deutsch-niederländischen Grenzregion bis weit in die Kölner Bucht reicht. Weiße Kraftwerkswolken und begrünte Halden vermitteln eindrucksvoll, wie sehr das Revier vom Bergbau bis heute geprägt wird.

Tour-Informationen

Start Parkplatz am Wasserwerk
Roetgen
Aufstieg 504 m
Abstieg 504 m
Länge der Tour 41,5 km
Dauer 3:00 Stunden
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Der Todtenbruch bei Raffelsbrand

Zweimal links abbiegend geht es weiter nach Raffelsbrand. Statt Wald heißt es nun Felder und Wiesen soweit das Auge reicht. Nichts erinnert mehr daran, dass die Hochfl äche einmal dicht bewaldet war. Während der Schlacht im Hürtgenwald zerstörten Bombeneinschläge den gesamten Baumbestand. Wieder aufzuforsten erschien sinnlos, zumal die frisch gewonnene Siedlungsfläche dringend gebraucht wurde. Neben Flüchtlingsfamilien aus dem Osten gründeten Bauern aus Wollseifen hier eine neue Existenz. Sie mussten der britischen Armee weichen, die Wollseifen als Teil des Truppenübungsplatzes Vogelsang vereinnahmte. Rund 30 Aussiedlerhöfe, verbunden durch eine Ringstraße, erinnern an dieses wenig bekannte Eifeler Kriegskapitel. Unsere Route führt südlich der Siedlung zweimal rechts abbiegend zum ersten Naturschatz der Runde, dem Todtenbruch. Am Parkplatz heißt es absteigen, denn die Vennlandschaft will zu Fuß erkundet werden. Ein Steg führt barrierefrei durch das ökologisch wertvolle Hochmoor. An einer unbeschilderten Gabelung zweigt der Spaziergang nach links ab. Verborgen hinter Birken, an einer kleinen Wasserstelle, zeigt sich die gesprengte Ruine eines deutschen Bunkers. An dieser Stellungsfront gerieten im September 1944 die amerikanischen Truppen in einen verlustreichen Kampf. Vor allem die Bunker waren hart umkämpft. Bis heute werden vermisste Soldaten im Todtenbruch vermutet. Eine rostige Eisentafel mit der Inschrift „Friede den Menschen auf Erden“ prägt sich als Impression tief ein. Ein Farbbild der Gegenwart, dass sich überlappt mit den schwarzweiß Bildern der Geschichte.

Vom Kalltal ins Vichtbachtal

Verdient ist nach dem Anstieg auf die Raffelsbrander Höhe die lange Abfahrt ins Kalltal. Die 1936 eingeweihte Kalltalsperre ist über einen 6,2 Kilometer langen Stollen mit der Dreilägerbachtalsperre verbunden. Doch unsere Route bleibt natürlich überirdisch und führt über den Talsperrendamm wieder aufwärts nach Lammersdorf. Von dort geht es mit einer rechts-links Kombination erneut bergab zur Kall bei Simmerath-Bickerath. Kurz vor Ende des Kopperwegs sollten Sie unbedingt noch einmal pausieren. Der Picknick- und Spielplatz an der Kall ist ein wirkliches Kleinod. Nicht viel weiter wartet an der Bickerather Straße der zweite Naturschatz mit einer Wanderung auf „schmalen Grat“. Der Westwall-Weg verläuft direkt auf dem Betonsteg der Panzersperren mit Blick auf die Aue der Kall und damit auf ein Lieblingsrevier des Eifel-Bibers. In dieser Szenerie wirkt der Westwall nahezu selbstverständlich von der Natur mit neuem Leben überzogen.

Gemütliches “Ausradeln” auf der Vennbahn

Nach dem Spaziergang geht es mit dem Rad weiter entlang der Kall. Die Kulisse bilden die typischen Heckenlandschaften der Eifel zwischen Weiden und kleinen Baumgruppen. Am Konzener Bahnhof lädt die Vennbahntrasse zum bequemen Endspurt über Lammersdorf nach Roetgen. Kurz vor Ortsbeginn gilt es, den Abzweig nach rechts in den Birkhahnweg und später noch einmal in die Hauptstraße nicht zu verpassen. In Sichtweite der Dreilägerbachtalsperre ist bald schon linker Hand der letzte Naturschatz der Runde erreicht. Mit für das menschliche Ohr fröhlich klingendem Plätschern vereinen sich Schleebach- und Vichtbach. Die Naturidylle bildet den schwer verständlichen Kontrast zum monströsen und deutschlandweit einzigem Brückenbauwerk des Westwalls. Nur noch wenige Meter nach links und Sie haben den Ausgangspunkt Ihres „Triathlons“ aus Radfahren, Spazieren und Schatzsuche erreicht.